Kartendarstellung unseres WAM Monitoring-Systems

Elektrischer Strom fließt im europäischen Verbund, aber wohin eigentlich?

Fortwährend wird von großen und kleinen Erzeugern elektrischer Strom erzeugt, in das Stromnetz eingespeist und zu Verbrauchern transportiert, um dann vor Ort Maschinen anzutreiben, Licht zu spenden usw. Das Stromnetz mit all seinen Teilnehmern ist ja kein statisches Gebilde, sondern bewegt sich fortwährend und auch einem stetigen Wandel unterworfen. Aber was genau passiert eigentlich in dem Stromnetz über die Zeit hinweg? Um ein besseres Verständnis zu bekommen über die Vorgänge im europäischen Stromnetz, auch im Hinblick auf unsere Notstromaggregate und Netzersatzanlagen, haben wir mit gridradar.net ein unabhängiges Monitoring-System ins Leben gerufen.

Auf der hier dargestellten Karte sehen Sie den physischen Leistungsfluß im Stromnetz, also welche auf welchem Weg Strom von Kraftwerken (Quellen) zu Verbrauchszentren (Senken) fließt. Für ein Funktionieren des Stromnetzes mit all seinen Akteuren muss kontinuierlich soviel Energie produziert werden wie zu diesem Zeitpunkt verbraucht wird. Wie in jedem anderen Markt findet auch ein Handel statt, in diesem Fall mit elektrischer Energie, gehandelt in sogenannten Zeitscheiben von 15 Minuten Dauer. Das Konglomerat aus Verbrauchern und Erzeugern, wie auch Wettereinflüsse oder Großereignisse sorgen für sich stetig verschiebende Energieflüsse im Stromnetz. Auf unserer Karte werden jedoch nicht die kommerziellen Handelsflüsse dargestellt, sondern die aus diesem heraus resultierenden physischen Lastflüsse. Auf der Karte sind einige unserer Meßgeräte eingezeichnet. Sie können sich am jeweiligen Meßgerätestandort die vor Ort gemessene Frequenz anzeigen lassen. Im UCTE-Netz beträgt die Nennfrequenz 50 Hz, durch kleinste Abweichungen vor Ort kommt es zu Ausgleichsenergieflüssen die in der Karte sichtbar gemacht werden. Mit der Netzfrequenz als Indikator können Aussagen über den Zustand des Stromnetzes getroffen, also Aussagen über das Gleichgewicht von Erzeugung und Verbrauch. Strom läßt sich im großtechnischen Maßstab nur sehr bedingt speichern und wird daher üblicherweise im Moment seiner Erzeugung verbraucht. Hier kommt die Frequenz als Indikator ins Spiel, denn weicht die Istfrequenz von der Nennfrequenz von 50 Hz ab, herrscht ein Ungleichgewicht im Stromnetz zwischen Erzeugung und Verbrauch.

Funktion des WAMS (Wide Area Monitoring System):
Für den tieferen Einblick in das Stromnetz nutzen wir europaweit eigene Meßstationen, in der Fachsprache Phasor Measurement Unit genannt. Unser Stromnetz ist ständig in Bewegung, es kommt fortwährend zu Frequenzabweichungen. Abweichungen der Netzfrequenz und somit entstehende Lastflüsse werden über unser Wide Area Monitoring System dokumentiert und hier angezeigt. Die Höhe eines Lastflusses und die Richtung werden rechnerisch ermittelt. Für einen besseren Überblick werden auf der Karte Pfeile eingesetzt um die Richtung der von A nach B fließenden Leistung zu symbolisieren. Je größer die Winkeldifferenz, desto mehr Leistung fließt von Station A -> Station B.